Deutsche elite


31.12.2020 04:18
Elitenforscher: Die deutsche Elite wird immer homogener
haben und die Zeit fr die Familie bei vielen eher knapp bemessen war. Diese Aussage ist fast noch skandalser als die Hinterziehung selbst. PDF-Version:.789 KB "Unsere Gesellschaft braucht Eliten hatte Bundeskanzler Gerhard Schrder zu Beginn seiner Amtszeit erklrt und im Januar 2004 durch den Ruf nach Elite-Universitten bekrftigt. Besonders deutlich wird das an den beiden Polen des Herkunftsspektrums. Auf die Frage, ob die Lebenschancen im Wesentlichen vom Elternhaus abhngig seien, antworten fast genauso viele von ihnen mit Ja wie mit Nein. Beide Ansichten stehen nebeneinander.

Diese Aussage zeigt, wie tief verwurzelt der Glaube an die eigene Leistung als Grundlage des verfgbaren familiren Reichtums ist. Das "mittelstndische Unternehmen dessen Leitung er 1981 als Vorstandschef bernahm, hatte aber schon Ende der 1970er Jahre einen Umsatz von deutlich ber drei Milliarden Euro und mehr als.000 Beschftigte. Die Ostdeutschen besetzen zehn Prozent der Fhrungspositionen, bei einem Anteil von knapp zwanzig Prozent an der Bevlkerung. Zu seiner Entschuldigung fhrte Sommer an, er habe die korrekte Angabe seiner Einnahmen "aus Schusseligkeit oder Schlamperei" versumt und die Summe inzwischen "unter Inkaufnahme groer Opfer" fr seine Altersversorgung und die seiner Frau an das Finanzamt berwiesen. Bei der Einschtzung der Frage, wie problematisch der geringe Anteil an den Eliten ist, wurden verschiedene Hypothesen vorgelegt.

Es erklrt zusammen mit den vielen anderen Skandalen und der zeitgleich seit der Jahrtausendwende massiv gewachsenen Kluft zwischen Arm und Reich das immer strker werdende Misstrauen den Eliten gegenber; denn bei den angesprochenen Personen handelt es sich ja nicht einfach nur um Prominente. Hchstens die ffentliche Frderung geeigneter Kandidaten findet Zustimmung. Er, der nach der Bankenkrise ffentlich immer wieder vehement einen Kulturwandel in den Banken gefordert hat, hat gleichzeitig, um Steuern zu sparen, eine ber vier Millionen Euro teure Luxusimmobilie in London ber Briefkastenfirmen in der Karibik erworben. Ein derartiges Verhalten wird von der breiten ffentlichkeit berwiegend als Doppelmoral wahrgenommen. Allerdings fallen auch Dnen, Englnder und andere Europer in die Kategorie mit Migrationshintergrund. Whrend sowohl in soliden sozialwissenschaftlichen Umfragen (wie etwa dem Sozio-oekonomischen Panel) als auch in den regelmig verffentlichten Medienumfragen stets ungefhr drei Viertel der Bevlkerung antworten, dass die Unterschiede nicht gerechtfertigt seien, sieht das Bild bei den Eliten anders aus. Die Mehrheit der Befragten sieht keinen dringenden Handlungsbedarf, eine" fr Ostdeutsche oder Migranten wird mehrheitlich abgelehnt.

Diese Einstellung trennt sie von der brigen Bevlkerung, die sehr heterogen zu diesen Themen steht. Die Zahlen, die Vogel und seine Kollegen vorlegen, besttigen die Wahrnehmung, dass Ostdeutsche und Migranten weniger in Spitzenjobs vertreten sind, als es ihrem Bevlkerungsanteil entsprche. Sie untersuchten die Einstellungen von 354 deutschen Spitzenkrften aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Militr und Kirche zu Einwanderungsfragen, internationalem Handel, Entwicklungshilfe und supranationalen politischen Institutionen und setzten sie in Bezug zu den Einstellungen der Brger zu diesen Themen. Den von ihm ffentlich angemahnten Kulturwandel hat er offensichtlich nicht auf sich selbst bezogen. Gleichzeitig ist aber auch eine eindeutige Mehrheit von mehr als zwei zu eins der Meinung, dass persnliche Fhigkeiten und Bildung bestimmen, was man im Leben erreicht. 1, all das wirft die Frage auf, ob diese Eliten vielleicht in einer Parallelwelt leben, die nach anderen Mastben funktioniert und deren Mitglieder dementsprechend auch in anderen Kategorien denken als die normalen Bundesbrger.

Wie entstehen Eliten, wie sehen die Rekrutierungswege und Karrierepfade aus, welche Wertorientierungen, politischen Einstellungen und Kommunikationsmuster dominieren innerhalb der Fhrungsschichten? Seine Einstellung ist typisch fr die meisten prominenten Steuerhinterzieher, die in den vergangenen Jahren und Monaten aufgeflogen sind. Man erkennt zwar an, dass die familire Herkunft einem sprbare Vorteile verschafft, sieht das Leistungsprinzip dadurch aber nicht ernsthaft infrage gestellt. Jene Eliteangehrigen, die schon ihre Kindheit und Jugend unter privilegierten Bedingungen verbracht haben, die Brger- und vor allem die Grobrgerkinder, sind mit groer Mehrheit fest davon berzeugt, dass die sozialen Unterschiede hierzulande gerechtfertigt sind; ihrer Meinung nach beruhen diese Unterschiede im Wesentlichen auf unterschiedlichen Leistungen. Je nach Sektor ergeben sich groe Unterschiede: In der Politik sind Ostdeutsche mit 19 Prozent Anteil an den Spitzenpositionen gem ihrem Bevlkerungsanteil gut vertreten auch wenn bei dieser Umfrage nur die Bundespolitik bercksichtigt wurde.

Es gibt keine Anzeichen dafr, dass Ostdeutsche von selbst in die Elite hineinwachsen, sagt Studienleiter Vogel. Sein Kollege von der Hochschule Zittau/Grlitz, Kollmorgen, sieht eher, dass das Problem sich auswachsen oder verndern wird: In 20 Jahren wird es schwierig werden, von Ost und West zu reden, weil sich die Bevlkerung so sehr mischt. Jene Eliteangehrigen, die selbst schon in Reichtum oder zumindest Wohlstand aufgewachsen sind, stehen den sozialen Unterschieden weit weniger kritisch gegenber als jene, die aus den Mittelschichten oder (noch strker) aus der Arbeiterschaft stammen. Kurz vor Weihnachten 2013 gab Uli Hoene, damaliger Prsident des FC Bayern Mnchen, dem Bayerischen Rundfunk ein Interview. Es sei die erste reprsentative Befragung zu gesellschaftlicher Vielfalt, sagte einer der Studienleiter, der Politologe Lars Vogel von der Uni Leipzig, bei der Prsentation am Montag.

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle:  DeZIM Institut, 2020. In diesem beklagte er sich, wie schon in zahlreichen Interviews zuvor, ber die unfaire Behandlung im gegen ihn wegen Steuerhinterziehung in Millionenhhe laufenden Strafverfahren. Anders als etwa Boris Becker oder der Vater von Steffi Graf, die sich ebenfalls wegen Steuerhinterziehung verantworten mussten, zhlen Dibelius, Sommer, Wrth, Zumwinkel, aber auch Hoene als Prsident des FC Bayern Mnchen, der aus dem Amt geschiedene CDU-Schatzmeister und frhere nordrhein-westflische. Hnliches lsst sich auch bei weiteren Skandalen der letzten Zeit feststellen. Andere Kriterien, die fr Aufstieg wichtig sind, wie soziale Herkunft und Bildung, wurden bei der Umfrage nicht bercksichtigt.

Auch wenn die Befragten die mangelnde Reprsentanz als Problem wahrnehmen, scheint es keines zu sein, das ihnen besonders dringlich erscheint. Das will eine gemeinsame Untersuchung von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums fr Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM der Hochschule Zittau/Grlitz und der Universitt Leipzig nun nachliefern. Man arbeite ja selbst hart und der ererbte familire Reichtum beruhe auch auf harter Arbeit, der frherer Generationen eben, so die vorherrschende Meinung. Die Elite in Deutschland bekennt sich einheitlich zur Einwanderung und zur strkeren ffnung der nationalen Grenzen. Die meisten Befragten gehen davon aus, dass keine Gegenmanahmen notwendig sind, da sich das Problem mit der Zeit von allein lst, 59 Prozent glauben das fr Ostdeutsche, 68 Prozent bei Migranten.

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